Bisherige Veranstaltungen

Vatikan ein Mysterium

Blick hinter die Kulissen des Heiligen Stuhls

Schnell trugen die Mitarbeiter des katholischen Bildungswerk noch Stühle ins Gemeindehaus Weisenbach - von dem Besucherandrang bei dem Vortrag von Pater Eberhard von Gemmingen waren sie positiv überrascht worden. Der ehemalige Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan erzählte von seiner 30jährigen Tätigkeit in Rom, seinen Begegnungen mit den Päpsten Johannes Paul II und Benedikt XVI und diskutierte mit den Besuchern auch sehr offen über die Entwicklung der katholischen Kirche in Mitteleuropa und die Impulse, die die Kirche unter Papst Franziskus erhält.

„Franziskus hat die Lehre überhaupt nicht verändert, sonder ganz gleich akzentuiert: das Wichtigste an Jesus Botschaft ist die Liebe Gottes, die allen Menschen verkündet werden soll und daraus folgt eine moralische Haltung und ein ethisches Verhalten!“ von Gemmmingen, Jesuit und Journalist, beobachtet nur, dass sich die Wahrnehmung der Öffentlichkeit seit Franziskus verändert hat, vielleicht weil auch sein Amtsvorgänger im Umgang mit den Medien nicht immer ganz geschickt war. „27 Jahre lang war ich bei Radio Vatikan, aber dort nur bei einer von 40  Sprachredaktionen“, erklärte er bescheiden und räumte schnell mit dem Vorurteil auf, dass es im Zentrum der katholischen Kirche von „Wölfen“ wimmelt, die den jeweiligen Papst „fressen wollen“. Verschwörungstheorien erteilte er eine deutliche Absage und machte ganz klar: „Im Vatikan arbeiten nur Menschen:  „sicherlich viele sehr fromme, aber nicht nur Heilige!“ Humorvoll berichtete er von seinen Einblicken hinter die Heiligen Mauern, die den Vatikan umgeben - und das sind nicht so viele, wie sich mancher Zuschauer erhofft hatte, denn „Radio Vatikan hat seine Büros außerhalb des Heiligen Stuhls, im Zentrum Roms mit Sicht auf die Engelsburg“ und auch von Gemmingen musste sich wie jeder andere Journalist gedulden. Trotzdem gelang es ihm, das erste Radio-Interview mit Papst Benedikt  auf deutsch zu führen und gemeinsam mit Kollegen von ARD, ZDF und Deutschlandfunk ein Fernsehinterview mit ihm zu erleben. Private Geschichten über Papst Benedikt, den er über eine Tante bereits als Student kennenlernt hatte, und Papst Johannes Paul II, „dem ich zu Ostern und Weihnachten ein paar Mal die Hand geschüttelt habe“, erfuhren die Besucher allerdings nicht, lieber widmete sich der verschmitzte Jesuit in der Fragerunde den Fragen über den Zustand der Kirche und zog eine sehr ernüchternde Bilanz: „Die Kirchenkrise ist bei der evangelischen Kirche genauso. Das Problem ist, dass die Menschen zu wenig wissen und auf einfache Lösungen hoffen.“ Aber die Abschaffung des Zölibats alleine reicht nach seiner Meinung nicht aus, das Problem liege viel tiefer: es mangele in Mitteleuropa an dem Grundlagenwissen über die Bedeutung des Glaubens auch für das Werte- und Rechtssystem: „Der wichtigste Europäer ist Jesus von Nazareth, auch wenn der aus Jerusalem kommt!“ Über die Werte der christlichen Religion, dass die 10 Gebote die Grundlage für das europäische Rechtsempfinden sei, wüsste die Menschen einfach viel zu wenig und schon Kinder müssten daheim mit ihren und von ihren Eltern lernen. „Religion ist eben nicht Privatsache!“ empörte er sich, aber den Menschen, die ihrem Glauben Schwierigkeiten haben, rief er versöhnlich zu: „Jesus sagt nicht: ‚Komm mit oder geh zum Teufel!’ - er lädt uns ein, einen gemeinsamen Weg zu gehen und damit überfordert er uns alle permanent und gleichzeitig ist er so barmherzig.“     

Mit freundlicher Genehmigung des Badischen Tageblatt

von Katharina Vogt

        Pater Eberhard von Gemmingen

 

 
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