Forbach, Pfarrkirche St. Johannes Baptista
Geschichte
Baugeschichte
Mauerreste deuten auf eine Entstehung der ersten Forbacher Kirche im 13. Jahrhundert hin. 1788 wird ein Neubau nach Entwurf des Fürstlichen Bauinspektors Krohmer in Rastatt errichtet - eine einschiffige, holzgedeckte Kirche mit Turm, die 1830 durch Einschieben eines dreischiffigen Langhauses erweitert wird.
Vierzig Jahre später soll dieser zu kleine Bau ersetzt werden. Wegen Arbeitsüberlastung legt Adolf Williard, Leiter des Erzbischöflichen Bauamts Karlsruhe, jedoch erst 1884 einen Neubauentwurf vor. Überhöhte Angebote haben eine Verkleinerung des Projekts um 10 Prozent und die Vereinfachung einiger Baudetails zur Folge. Die hohen Baukosten von knapp 363.000 Mark werden überwiegend vom Heiligenfonds Forbach finanziert, dessen wesentliches Vermögen im Besitz von knapp 800 Hektar Wald besteht und welcher auch andere Kirchenprojekte innerhalb der Freiburger Erzdiözese unterstützt.
Der Grundstein der Basilika wird am 27. Juni 1886 gelegt, zwei Jahre später der Rohbau fertig gestellt; die Weihe findet am 21. Juni 1891 durch Erzbischof Johann Christian Roos statt. Heute verlorene Inschriften im Eingangsbereich nannten Williard als Schöpfer des Neubaus, Architekt Max Schneider war als sein Gehilfe für die Detailbearbeitung zuständig, Architekt Bernhard Merk war Bauführer.
Zur vollständigen Austrocknung der Mauern wird die Ausführung der Chorgemälde bis 1902 zurückgestellt.
Die massivsten Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild stellen der Umbau der Scheitelkapelle zur zweigeschossigen Sakristei im Jahr 1913 und die Vermauerung der Giebelrose zwei Jahre später dar. Erste Renovierungsmaßnahmen des Sakralraums erfolgen zu Beginn der 20er Jahre. Die Obergadenzone wird mit Heiligenfiguren bemalt und die ehemaligen Beichtstuhlnischen neben dem Haupteingang werden zu einer Kriegergedächtnis- und einer Taufkapelle umgestaltet.
Der Architekt des Neubaus: Adolf Williard
Adolf Williard wird am 11. November 1832 in Karlsruhe geboren. Am dortigen Polytechnikum (heute Universität) studiert er ab 1849 Mathematik und Hochbau. Vorbildhaft werden für sein Berufsleben vor allem seine Professoren Heinrich Hübsch und Friedrich Eisenlohr, aber auch Joseph Berckmüller, der Leiter des Hochbauamts, den er nach Abschluss seiner Praktika vertritt. Prägend wird auch seine Studienreise nach Italien, wo ihn besonders die römischen Kunstwerke faszinieren. Ab 1864 ist Williard vier Jahre lang stellvertretender Leiter des Bezirksbauamtes in Mannheim, ehe ihm in Karlsruhe die Stelle als Vorstand des Erzbischöflichen Bauamtes angetragen wird. Da er den Kirchenbau als ideale Berufsaufgabe ansieht, nimmt er die Stelle trotz finanzieller Einbußen an. Während seiner 24-jährigen Amtszeit ist er mit dem Neu- und Umbau von über 50 Kirchen befasst, das Bauamt für rund 1.100 Gebäude zuständig. Auch nach seiner Pensionierung Ende des Jahres 1893 engagiert er sich als Vorstand des Badischen Architekten- und Ingenieurvereins, Inspektor der Städtischen Sammlungen und Stadtrat. Anlässlich seines 90. Geburtstages findet 1922 eine Ausstellung seines Lebenswerkes im Karlsruher Kunstverein statt. Von Kindern und Enkeln betreut, stirbt er am 26. Februar 1923.
Baubeschreibung
St. Johannes in Forbach ist eine dreischiffige Basilika mit Doppelturmfassade, leicht auskragendem Querhaus, polygonalem Chor mit Umgang und drei polygonalen Kapellen. Hoch über dem Murgtal gelegen, ist die Eingangsfront des roten Sandsteinbaus zur Altstadt hin ausgerichtet.
Der Architekt verstößt damit zugunsten städtebaulicher Aspekte (Monumentcharakter) gegen die liturgische Tradition, den Chor der Kirche nach Osten auszurichten. Auch die Ausbildung als Zweiturmfront zeugt vom hohen Anspruch: noch im Jahr 1908 besaß die Freiburger Diözese nur 17 Kirchen mit solch einer Fassade, wobei eine weitere ebenfalls von Williard stammt - St. Peter und Paul in seiner Heimatstadt Karlsruhe. Technischen Neuerungen durchaus aufgeschlossen entscheidet sich Williard bei diesem 55 m langen, an den Querhausarmen 25 m breiten Bau, der im Mittelschiff eine lichte Höhe von 18,5 m und eine Weite von 14,2 m aufweist, für eine Eindeckung mit "Metallfalzziegeln" der Fabrik Klehe aus Baden-Baden. Mittlerweile ist die zehnjährige Garantie um das Zehnfache überschritten - die Schiffe aber besitzen noch heute die originale Eindeckung, die erst jetzt an einigen Stellen ausgebessert werden muss. Die nachträglich umgebaute Sakristei weist ein Kupferdach auf, die Turmhelme sind gemauert. Zusammen mit dem Neubau von St. Johannes wird auch der Vorplatz neu gestaltet: eine breite, ansteigende Treppe, die seitlich von Baumreihen eingefasst wird, führt zur Kirche hinauf. Die untere Begrenzung bildet ein Brunnen mit Mariensäule. Der hohe Anspruch dieser Konzeption verweist auf italienische Vorbilder wie die Treppe in Rom.
Von zwei Türmen flankiert, beherrscht eine triumphbogenartige Anlage den unteren Bereich der Hauptfassade. Der mittlere Rundbogen ist durch seine größere Höhe und einen Dreiecksgiebel ausgezeichnet (das Portalmosaik mit einer Darstellung Johannes des Täufers entstand 1962), die beiden seitlichen werden von Säulenarkaden mit Rundbogenfenstern gekrönt; die Zugänge zum Kirchenraum sind in das Innere der Vorhalle verlegt. Darüber bestimmt eine Maßwerkrose den Giebel, dessen Schrägen von Rundbogenfriesen über kleinen Rundpfeilerchen gerahmt werden. Zwei weitere Eingänge befinden sich in den Untergeschossen der schlanken, oktogonalen Türme. Die hohen Glockengeschosse mit von Halbrundpfeilern eingefassten Rundbögen und einem darüberliegenden Kranz von kleineren, wimpergbekrönten Öffnungen weisen spitze, achteckige Dachpyramiden aus Stein auf. Der angedeutete Vertikalismus der Fassade wird durch den Standpunkt des Betrachters relativiert, der sich von unten nähert; die für den Architekten ungewöhnliche Plastizität der Gliederungs- und Schmuckformen trägt der Fernwirkung der Kirche Rechnung.
Darüber weisen sie je ein Vierpassfenster und, durch ein Gesims abgeteilt, eine dreibogige Arkadenöffnung im Giebeldreieck auf. Ursprünglich war die Scheitelkapelle des polygonalen Umgangschors ebenso wie die seitlichen Kapellen über achteckigem Grundriss (entsprechend der Form der Türme) errichtet, sie wurde aber später durch eine zweigeschossige Sakristei in der Art eines polygonalen Langchors mit seitlichem Treppenanbau ersetzt. Die gebrochenen Wände der leicht eingezogenen Apsis sind ebenso hoch wie die des Mittelschiffs, sie weisen aber wesentlich größere Rundbogenfenster auf und sind mit einer Zwerggalerie unter dem Dachansatz ausgezeichnet. Etwas unterhalb des Mittelschifffirstes an das Langhaus anschließend, entsteht oberhalb des mehrseitigen Pyramidendachs ein schmales Giebelfeld, welches den Chor als eigenständigen Bauteil kenntlich macht. Der Karlsruher Bauamtsvorstand verwendet bei seiner Forbacher Basilika mit den rundbogigen Fenstern und Turmöffnungen, Zwergarkaden an der Apsis und Rundbogenfriesen am Giebel zahlreiche Stilelemente der romanischen Baukunst. Frühgotischem Einfluss sind die Maßwerkrose der Hauptfassade, die Kreuzblumen der Portalrahmungen und Turmhelme, wie auch die Knospenkapitelle der Rundpfeiler der Turmportale und Querhausfassadenöffnungen zuzuschreiben. Er selbst bezeichnet den Bau als "strenge und reine Durchführung des abendländischen und speziell rheinischen Übergangsstiles XIII. Jahrhunderts". Dennoch ist die Erscheinung des Baus keineswegs mittelalterlich - und sollte es auch nicht sein. Bereits der Grundriss verrät mit seiner ungewöhnlichen Form und den geringen Wandstärken die Zugehörigkeit zu einer anderen Zeit. Der äußere Aufbau und die Bearbeitung des Sichtmauerwerks grenzen die Kirche ebenfalls von den vermeintlichen Vorbildern ab. Auch die schlanken, deutlich abgesetzten, oktogonalen Fassadentürme, das wenig ausgeprägte Querhaus und das Fehlen eines Vierungsturms lassen sich nicht mit romanischen Sakralbauten vereinbaren. Mit den Rundfenstern der Seitenschiffe und dem Relieftondo über dem mittleren der drei Hauptportale sind durchaus auch Formen der italienischen Gotik und Renaissance nachweisbar. Typisch für das 19. Jahrhundert sind die nach städtebaulichen Kriterien gewählte, auf Fernwirkung berechnete Lage des Neubaus und die aufwändige, die Monumentalität steigernde Kirchenplatzgestaltung. Neu sind nicht die Stilelemente, die Williard verwendet, sondern die Art ihrer Anwendung, Kombination und Umdeutung.
Innenraum
An das weite, kreuzrippengewölbte Mittelschiff schließen sich schmale, durch Arkaden auf gedrungenen Rundpfeilern mit hohen Postamenten abgeteilte Nebenräume - von Seitenschiffen kann hier kaum gesprochen werden - mit Okuli an. Die darüber liegenden Emporen öffnen sich über von gekuppelten Rundpfeilern getragenen Viererarkaden zum Innenraum, sie besitzen jedoch keine Fenster in der Außenwand. Tief heruntergezogene Gewölbegurte gliedern den Obergaden, der von einfachen Rundbogenöffnungen erhellt wird. Schlanke, auf den Kapitellen der Rundpfeiler des Mittelschiffs aufsetzende Dienste nehmen Gurte und Rippen des gebusten Kreuzgewölbes auf. Ein hoher, schräg gestellter Triumphbogen leitet in den eingezogenen, um mehrere Stufen erhöhten Chor über. Bogenstellungen öffnen sich über einem hohen Sockel zum Umgang, die darüber liegende Wand weist einen Kranz von rundbogigen, mit Dreipässen geschlossenen Fenstern auf. Den Abschluss bildet ein flachbogiges Schirmgewölbe. Wie der Außenbau kann - aus heutiger Sicht - auch das Innere der Basilika nur sehr bedingt als "romanisch" angesprochen werden. Zwar lassen sich Rundbogenfenster, rundbogige Pfeilerarkaden, dreizoniger Wandaufbau mit Emporen und Kreuzrippengewölbe durchaus in der Romanik nachweisen, die Ausbildung dieser Elemente bei St. Johannes hat jedoch nichts mit mittelalterlichen Bauten gemein. Darüber hinaus finden sich auch hier Anklänge an die Gotik Deutschlands, Frankreichs (Knospenkapitelle an Pfeilern und Diensten, angedeutete Kleeblattabschlüsse der Apsisfenster und Chorumgänge mit Kapellenkranz) und Italiens (Rundfenster der Seitenschiffe) und sogar an das Frühchristentum (Ziboriumsaltar). Der Hauptunterschied zu mittelalterlichen Kirchen besteht allerdings in der völlig anderen Raumwirkung. Überraschend ist die extreme Zurücknahme der Seitenschiffe, die zu schmalen Gängen reduziert sind (zusammen überschreiten sie kaum ein Viertel der Gesamtbreite des Raums!). Dieser Eindruck wird durch die hohen Sockel der Mittelschiffstützen noch verstärkt: So setzen die Basen der Pfeiler erst oberhalb des Gestühls an, wodurch sich der Besucher unter das Niveau des Hauptraums versetzt fühlt.
Durch stark gebuste Gewölbe rhythmisiert, scheinen die "Begleiter" des alles beherrschenden Mittelschiffs kaum mehr als statische Funktion für die Ableitung des Seitenschubs des Hochschiffgewölbes, welches als Kontrast des (vergleichsweise) hell erleuchteten Obergadens dient. Doch selbst hier werden die schräg einfallenden Strahlen bewusst gebündelt, um den Gesamteindruck nicht zu stören. Der Verzicht auf Gestühl in den baulich stark zurückgenommenen Seitenschiffen und das mit einem relativ flachbogigen Gewölbe geschlossene, fast so breite wie hohe Hauptschiff verstärken noch die Tendenz zum Einheitsraum.
Auch die innere Eingangsseite ist in diesem Sinne konzipiert. Hier erhebt sich eine mächtige, steinerne Empore mit vorgezogenem Mittelteil, das rundbogige Hauptportal wird von eingetieften Rundbogenfeldern gerahmt, der Bogen über der Tür ist mit der Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria geschmückt. Dieses mittenbetonte Triumphbogenmotiv wird von einer Arkade über Rundpfeilern eingefasst, die Bezug auf den Zugang der äußeren Vorhalle nimmt. Unter den seitlichen, segmentbogigen Durchbrüchen standen ursprünglich baldachinüberfangene Beichtstühle, wie historische Aufnahmen aus der Zeit um 1915 erkennen lassen. Eingefasst wird die Bühne von einem hohen, schmalen Gurtbogen, der mit seiner Schrägstellung als abgeschwächte Wiederholung des Chorbogens gelten kann - erneut ein Zeichen des engen räumlichen Zusammenschlusses. Das um Chor und Hochschiff herumgeführte "Lichtband" findet seinen Abschluss (oder Auftakt) in dem großen, die Orgel hinterfangenden Rosenfenster.
Malerei und Ausstattung
Entsprechend seiner Bedeutung konzentriert sich der figürliche Schmuck auf den Bereich des Chores. Die Felder zwischen den Arkaden und den Sohlbänken der Apsisfenster werden 1902 mit biblischen Szenen bemalt: Anbetung der Weisen, Ölberg, Beweinung Christi, Auferstehung, Schlüsselübergabe, Sendung des Hl. Geistes; der Künstler ist Franz Joseph Simmler, der ein Atelier in Offenburg besitzt.
Zu Williards großem Bedauern werden die Bilder in Öl anstelle echter Freskentechnik ausgeführt. Im Scheitel des Chorbogens wird die Hl. Dreifaltigkeit, an den Seiten werden Herz-Jesu (links) und Herz-Mariae (rechts) dargestellt. Die Rippen des Mittelschiffgewölbes sind mit ornamentalen Bändern geschmückt, die Gewölbekappen der Nebenräume mit goldenen Sternen auf dunklem Grund.
Auf Empfehlung des Ordinariats sind die Darstellungen der Chorfenster, die Glasmaler Beiler aus Heidelberg ausführt, "nicht im Renaissancestil und realistisch, sondern in dem edeln, idealen Stil des Mittelalters" gehalten. Sie zeigen Christus, Petrus, Paulus und die vier lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Gregorius und Hieronymus. In der Marienkapelle (links) sind Maria mit dem Kind, der hl. Joachim, die hl. Anna und der hl. Josef, im Wendelinschor (rechts), der heutigen Taufkapelle, der hl. Wendelin, der hl. Franziskus von Assisi, die hl. Clara und der hl. Johannes Nepomuk zu sehen.
Bei der Ausführung der Kreuzwegstationen als Fenster setzt sich Williard gegen den Willen der Vorgesetzten durch, die Wandgemälde vorgezogen hätten. Lediglich die siebte und achte Station werden als Gemälde ausgeführt. Anregungen für die Dekoration bieten Audsleys „Dekorative Wandmalerei des Mittelalters" und Viollet-le-Ducs Buch über die Sainte-Chapelle in Paris. Die Muster des Wandteppichs werden mit bis zu sechs übereinander verwendeten Schablonen aufgetragen.
Zur liturgischen Ausstattung zählt neben dem bereits erwähnten Baldachinaltar, den Williard als die „monumentalste Altarform" ansieht, „welche die Kunstgeschichte aller christlichen Zeiten kennt", vor allem ein Kreuz mit dem Corpus Christi, das im Scheitel des Chorbogens aufgehängt ist. Mit dem Hinweis darauf, dass der Zweck wichtiger sei als die architektonische Wirkung, wird die heute verlorene Kanzel auf Anordnung des Ordinariates vor eine Säule gestellt und mit einem Schalldeckel versehen, um die Stimme des Predigers zu schonen. Wie bereits erwähnt, erfuhr das Innere der Kirche - wie unzählige andere in der Diözese - in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts tief greifende, den Gesamteindruck zerstörende Veränderungen. Fotografien zeigen den Zustand mit den vermauerten Chorarkaden: gerade hier - ursprünglich glanzvoller Höhepunkt des Innern - macht sich der Verlust der Gliederungen und des reichen Schmucks einschneidend bemerkbar.
Ohne die Arkadenstellungen fehlen die enge Verbindung zum Langhaus und der Kontrast zur Fensterreihe, ohne die Malerei wirken die Wände kahl und der Chorbogen geht in der vereinheitlichenden Tünche geradezu unter (ebenso wie der gegenüberliegende Bogen der Eingangsseite). Ohne den Baldachinaltar fehlt ein Zielpunkt, den das schlichte Bronzekreuz nicht annähernd ersetzen kann. Wie dieses sind auch Zelebrationsaltar und Ambo im Stil der 60er Jahre ausgeführt, die Kanzel ist entfernt. Die wuchtige Orgel (von August Späth gebaut und 1965 geweiht) verdeckt leider den unteren Teil der Fensterrose. Immerhin ist die Fensterverglasung der Basilika erhalten. Rund 30 Jahre später wurde der Ursprungszustand dann weitgehend wiederhergestellt. Die Chorarkaden sind heute wieder geöffnet, die Reste der Innenausmalung freigelegt und nach Originalbefunden und Fotos ergänzt. Die modernen Radleuchter sind an den Kronleuchtern des 19. Jahrhunderts orientiert. Eine Rekonstruktion nach historischen Fotos stellt der Baldachinaltar dar, das alte, noch vorhandene Kruzifix wurde wieder aufgehängt. Modern sind der schlichte Zelebrationsaltar, der Ambo und das Gestühl des Langhauses, die sich gut in den Raum einfügen.
Würdigung
Während St. Johannes in Forbach heute in der Fachwelt kaum bekannt ist, erhielt die Basilika zu ihrer Entstehungszeit durchaus die ihr zustehende Würdigung. Sogar im Ausland wurde man auf den Bau aufmerksam, was ein zeitgenössischer Artikel in einer Londoner Fachzeitschrift, dessen Übersetzung in der Karlsruher Zeitung erschien, beweist: „Wir haben zahllose Kirchen in den meisten Staaten Europas gesehen, aber selten haben wir eine geschaut, die durch Schönheit des Entwurfs im Allgemeinen, Feinheit der Verhältnisse, Schönheit der Konstruktion bei so züchtiger dekorativer Wirkung in Farbe und Stimmung einen tieferen Eindruck machte, als diese reizende neue, römisch-katholische Kirche zu Forbach im Murgthal." Der Bau „gereicht dem Zeitalter zur Ehre, welches ihn hervorgebracht". Williard hat seine Idealvorstellungen bei seinem Forbacher Sakralbau, der als eines seiner Hauptwerke gelten kann, eindrucksvoll umgesetzt: die Anwendung fortschrittlicher Konstruktion und Technik, sparsamer Materialverbrauch, Weiträumigkeit, Logik und Schönheit sowie Monumentalität als „höchstes Ziel kirchlicher Baukunst". Dabei ist er mit seinen Vorbildern schöpferisch umgegangen, statt sie zu kopieren, und hat die Zweckmäßigkeit berücksichtigt, ohne sie der Ästhetik unterzuordnen. Aus heutiger Sicht erscheint er als Eklektizist im positiven Sinn, wobei er nur Detailformen historischer Baustile, nicht jedoch grundlegende Architekturprinzipien wie Raumauffassung oder Wandgestaltung übernommen hat. Tendenzen zum Einheitsraum, die gezielte Lichtregie und die dramaturgische Hinführung zum Chor grenzen Forbach strikt von mittelalterlichen Bauten ab. So steht die schöne Chorlösung von St. Johannes in der Nachfolge französischer Umgangschöre mit Kapellenkranz, wobei der Architekt die Apsiden nicht als Nebenräume an den Umgang anfügt, sondern als nahezu eigenständige Baukörper direkt an das Sanktuarium heranschiebt und den Gang als Verbindung durch sie hindurchführt.
Im Gegensatz zu hochgotischen Vorbildern (z.B. Notre-Dame in Chartres), wo die hohen, durchfensterten Kapellen der Hinterfangung der schmalen Arkaden und so der Unterstützung des Vertikalismus des Chores dienen, treten in Forbach die seitlichen Nebenräume vom Hauptschiff aus kaum in Erscheinung und die Scheitelkapelle wird durch den Hauptaltar völlig verdeckt. Auch die Umdeutung der Scheitelkapelle zur Sakristei - eine architektonisch höchst raffinierte Lösung - wäre im Mittelalter undenkbar gewesen und grenzt den Bau des 19. Jahrhunderts klar von seinen Vorläufern ab.
Grundriss und Außenansicht lassen außerdem eine andere Herleitung der Chorgestaltung zu - die vom Trikonchos (z.B. beim Florentiner Dom). Auch für den raffinierten Triumphbogen des Innern von St. Johannes könnte der badische Architekt hier Anregungen gefunden haben. Die Eleganz, mit der Adolf Williard seinen Chor an das Langhaus anschließt und die sogartige Wirkung, die er erzeugt, sind mit dieser mittelalterlichen Raumlösung jedoch nicht zu vergleichen. Umso erfreulicher ist es, dass die tief greifenden Veränderungen der 60er Jahre in weiten Teilen rückgängig gemacht wurden. Mit dem Ergebnis der Maßnahmen dürfen Denkmalpfleger und Kunstbegeisterte sicher ebenso zufrieden sein wie die Gemeinde. Hätten die Verantwortlichen jedoch geahnt, in welch schlechtem Zustand sich die Originalausmalung unter der ergrauten Tünche befand, wäre die Entscheidung wohl gegen eine Wiederherstellung gefallen. Entgegen den optimistisch stimmenden Freilegungsproben waren nur die Bildszenen relativ gut erhalten, die ornamentale Bemalung der Langhauswände und Gewölbe musste dagegen aufwändig rekonstruiert werden. Gewissermaßen als Lohn der Mühe wurde St. Johannes in Forbach im Juni 1993 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung ins Denkmalbuch eingetragen.
So kritisch die Revision der Purifizierungswelle der 60er Jahre in der heutigen Zeit unter finanziellem und denkmalpflegerischem Aspekt (insbesondere bei der Rekonstruktion verlorener Ausmalungs- und Ausstattungsteile) gesehen werden muss - möge sich der Besucher an dem weitgehend originalgetreuen Eindruck der Forbacher Kirche erfreuen!
Simone Engleder
