Forbach, Pfarrkirche St. Johannes Baptista

Geschichte

St. Johannes Baptista ForbachSt. Johannes Baptista Forbach
St. Johannes Baptista Forbach
Forbach liegt im Murgtal im Nordschwarzwald und stellt mit seinen riesigen Waldflächen eine der größten Waldgemeinden Baden-Württembergs dar. Das früheste bekannte schriftliche Zeugnis über ein Dorf Vorbach ist die Testamentsurkunde Graf Heinrichs II. von Eberstein aus dem Jahr 1360. Eine Pfarrei ist 1404 bezeugt, 1442 gibt es eine Marienkapelle oder -kirche, einen eigenen Pfarrer erhält Forbach jedoch erst Ende des 17. Jahrhunderts. Zuvor (und auch heute wie­der) bildete es eine seelsorgerische Gemeinschaft mit umliegenden Orten. Bis ins 18. Jahrhundert ist die Gemeinde - u. a. aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage - nicht sehr vermögend. 1788 verbessert sich die Situation durch die Fertigstellung der Murgstraße, zu Beginn des 19. Jahrhunderts sorgt dann die Errichtung verschiede­ner Fabriken für wirtschaftlichen Aufschwung und 1910 erfolgt der Anschluss an die Eisenbahn. Seit 1896 besitzt Forbach ein eigenes Krankenhaus, welches die gesundheitliche Versorgung der Be­völkerung im Murgtal übernimmt. 1926 wird die Schwarzenbach­talsperre fertig gestellt. Im Jahr 1974 erfolgt die Eingemeindung der umliegenden Ortschaften, die Einwohnerzahl steigt bis 2005 auf rund 5.400. Durch den Ausbau der Bundesstraße und die Einweihung der Stadtbahn erhält Forbach eine direkte Anbindung an Städte im Großraum Karlsruhe und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für zahlreiche Besucher.

Baugeschichte

Blick in Richtung Orgel - Zustand vor 1915Blick in Richtung Orgel - Zustand vor 1915
Blick in Richtung Orgel - Zustand vor 1915

Mauerreste deuten auf eine Entstehung der ersten Forbacher Kirche im 13. Jahrhundert hin. 1788 wird ein Neubau nach Entwurf des Fürstlichen Bauinspektors Krohmer in Rastatt er­richtet - eine einschiffige, holzgedeckte Kirche mit Turm, die 1830 durch Einschieben eines dreischiffigen Langhauses erweitert wird.

Vierzig Jahre später soll dieser zu kleine Bau ersetzt werden. Wegen Arbeitsüberlastung legt Adolf Williard, Leiter des Erzbischöflichen Bauamts Karlsruhe, jedoch erst 1884 einen Neubauentwurf vor. Überhöhte Angebote haben eine Verkleinerung des Projekts um 10 Prozent und die Vereinfachung einiger Baudetails zur Folge. Die hohen Baukosten von knapp 363.000 Mark werden überwiegend vom Heiligenfonds Forbach finanziert, dessen wesentliches Vermögen im Besitz von knapp 800 Hektar Wald besteht und wel­cher auch andere Kirchenprojekte innerhalb der Freiburger Erzdiözese unterstützt.

Der Grundstein der Basilika wird am 27. Juni 1886 gelegt, zwei Jahre später der Rohbau fertig gestellt; die Weihe findet am 21. Juni 1891 durch Erzbischof Johann Christian Roos statt. Heute verlorene Inschriften im Eingangsbereich nannten Williard als Schöpfer des Neubaus, Architekt Max Schneider war als sein Gehilfe für die Detailbearbeitung zuständig, Architekt Bernhard Merk war Bauführer.

Zur vollständigen Austrocknung der Mauern wird die Ausführung der Chorgemälde bis 1902 zurückgestellt.

Die massivsten Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild stellen der Umbau der Scheitelkapelle zur zweigeschossigen Sakristei im Jahr 1913 und die Vermauerung der Giebelrose zwei Jahre später dar. Erste Renovierungsmaßnahmen des Sakralraums erfolgen zu Beginn der 20er Jahre. Die Obergadenzone wird mit Heiligen­figuren bemalt und die ehemaligen Beichtstuhlnischen neben dem Haupteingang werden zu einer Kriegergedächtnis- und einer Taufkapelle umgestaltet.

Blick in den Chor - Zustand um 1980Blick in den Chor - Zustand um 1980
Blick in den Chor - Zustand um 1980
Wesentliche Veränderungen erfährt das Innere 1953: die „aufschablonierten Muster" werden als „veraltet", die reiche Bemalung als „Überfülle" empfunden und durch einen helleren Anstrich ersetzt. Gut zehn Jahre später werden sogar die Chorarkaden vermauert und die ursprüngliche Ausmalung wird vollständig übertüncht, außerdem erhält der Raum eine neue Ausstattung im Stil der Zeit. Ab 1991 findet die bislang letzte Innenrenovierung unter Leitung des Erzbischöflichen Bauamts und Mitwirkung des Restaurators Alfred Panowsky statt, die sich um eine Revision der vorhergehenden bemüht. Dabei werden die Chorarkaden und die Fensterrose wieder geöffnet, die Originalausmalung restauriert sowie der Ziboriumsaltar rekonstruiert. Bemerkenswert ist, dass alle Fensterverglasungen heute noch original sind.

Der Architekt des Neubaus: Adolf Williard

Adolf Williard (1832-1923)Adolf Williard (1832-1923)
Adolf Williard (1832-1923)

Adolf Williard wird am 11. November 1832 in Karlsruhe geboren. Am dorti­gen Polytechnikum (heute Universität) studiert er ab 1849 Mathematik und Hochbau. Vorbildhaft werden für sein Berufsleben vor allem seine Professoren Heinrich Hübsch und Friedrich Eisenlohr, aber auch Joseph Berckmüller, der Leiter des Hochbauamts, den er nach Abschluss seiner Praktika vertritt. Prägend wird auch seine Studienreise nach Italien, wo ihn besonders die römischen Kunstwerke faszinieren. Ab 1864 ist Williard vier Jahre lang stellvertretender Leiter des Bezirksbauamtes in Mannheim, ehe ihm in Karlsruhe die Stelle als Vorstand des Erzbischöflichen Bauamtes angetragen wird. Da er den Kirchenbau als ideale Berufsaufgabe ansieht, nimmt er die Stelle trotz finanzieller Einbußen an. Während seiner 24-jährigen Amts­zeit ist er mit dem Neu- und Umbau von über 50 Kirchen befasst, das Bauamt für rund 1.100 Gebäude zuständig. Auch nach seiner Pensionierung Ende des Jahres 1893 engagiert er sich als Vorstand des Badischen Architekten- und Ingenieurvereins, Inspektor der Städtischen Sammlungen und Stadtrat. Anlässlich sei­nes 90. Geburtstages findet 1922 eine Ausstellung seines Lebens­werkes im Karlsruher Kunstverein statt. Von Kindern und Enkeln betreut, stirbt er am 26. Februar 1923.

Baubeschreibung

Grundriss der KircheGrundriss der Kirche
Grundriss der Kirche

St. Johannes in Forbach ist eine dreischiffige Basilika mit Doppelturmfassade, leicht auskragendem Querhaus, polygonalem Chor mit Umgang und drei polygonalen Kapellen. Hoch über dem Murgtal gelegen, ist die Eingangsfront des roten Sandsteinbaus zur Altstadt hin ausgerichtet.

Der Architekt verstößt damit zugunsten städtebaulicher Aspekte (Monumentcharakter) gegen die liturgische Tradition, den Chor der Kirche nach Osten auszurichten. Auch die Aus­bildung als Zweiturmfront zeugt vom hohen Anspruch: noch im Jahr 1908 besaß die Frei­burger Diözese nur 17 Kirchen mit solch einer Fassade, wobei eine weitere ebenfalls von Williard stammt - St. Peter und Paul in seiner Heimatstadt Karlsruhe. Technischen Neuerungen durchaus aufge­schlossen entscheidet sich Williard bei diesem 55 m langen, an den Querhausarmen 25 m breiten Bau, der im Mittelschiff eine lichte Höhe von 18,5 m und eine Weite von 14,2 m aufweist, für eine Eindeckung mit "Metall­falzziegeln" der Fabrik Klehe aus Baden-Baden. Mittlerweile ist die zehnjährige Ga­rantie um das Zehnfache überschritten - die Schiffe aber besitzen noch heute die originale Eindeckung, die erst jetzt an einigen Stellen ausgebessert werden muss. Die nachträglich umgebaute Sakristei weist ein Kupferdach auf, die Turmhelme sind gemauert. Zusammen mit dem Neubau von St. Johannes wird auch der Vorplatz neu gestaltet: eine breite, ansteigende Treppe, die seitlich von Baumreihen eingefasst wird, führt zur Kirche hinauf. Die untere Begrenzung bildet ein Brunnen mit Mariensäule. Der hohe Anspruch dieser Konzeption verweist auf italienische Vorbilder wie die Treppe in Rom.

Von zwei Türmen flankiert, beherrscht eine triumphbogenartige Anlage den unteren Bereich der Hauptfassade. Der mittlere Rundbogen ist durch seine größere Höhe und einen Dreiecksgiebel ausgezeichnet (das Portalmosaik mit einer Darstellung Johannes des Täufers entstand 1962), die beiden seitlichen werden von Säulenarkaden mit Rundbogenfenstern gekrönt; die Zugänge zum Kirchenraum sind in das Innere der Vorhalle verlegt. Darüber bestimmt eine Maßwerkrose den Giebel, dessen Schrägen von Rundbogenfriesen über kleinen Rundpfeilerchen gerahmt werden. Zwei weitere Eingänge befinden sich in den Untergeschossen der schlanken, oktogonalen Türme. Die hohen Glockengeschosse mit von Halbrundpfeilern eingefassten Rundbögen und einem darüberliegenden Kranz von kleineren, wimpergbe­krönten Öffnungen weisen spitze, achteckige Dachpyramiden aus Stein auf. Der angedeutete Vertikalismus der Fassade wird durch den Stand­punkt des Betrachters relativiert, der sich von unten nähert; die für den Architekten ungewöhnliche Plastizi­tät der Gliederungs- und Schmuck­formen trägt der Fernwirkung der Kirche Rechnung.

Einen ebenen Standpunkt kann der Besucher auf den übrigen Seiten des Baus einnehmen, wo die Betonung der Horizontalen klar überwiegt. So sind die Seitenschiffe mit Okuli zwischen den Strebepfeilern mit Pultdächern versehen, das Hochschiff öffnet sich über Rundbogenfenstern. Selbst die vergleichsweise stark vor­tretenden Vertikalstreben können die Horizontaltendenz des sechsachsigen Langhauses und des niedrigen Obergadens nicht aufheben. Auch die geringe Neigung der Dächer unterstützt die lagernde Ausgeglichenheit des Baukörpers. Ädikulenartig gestaltet sind die Portale der Querhausarme; sie sind mit seitlichen, in Aussparungen der Pfeiler eingestellten Rundpfeilerchen und Dreiecksgiebeln geschmückt.
Darüber weisen sie je ein Vierpassfenster und, durch ein Gesims abgeteilt, eine dreibogige Arkadenöffnung im Giebeldreieck auf. Ursprünglich war die Scheitelkapelle des polygona­len Umgangschors ebenso wie die seitlichen Kapellen über achteckigem Grundriss (entsprechend der Form der Türme) errichtet, sie wurde aber später durch eine zweigeschossige Sakristei in der Art eines polygonalen Langchors mit seitlichem Treppenanbau ersetzt. Die gebrochenen Wände der leicht eingezogenen Apsis sind ebenso hoch wie die des Mit­telschiffs, sie weisen aber wesentlich größere Rundbogenfenster auf und sind mit einer Zwerggalerie unter dem Dachansatz ausgezeichnet. Etwas unterhalb des Mittelschiff­firstes an das Langhaus anschließend, entsteht oberhalb des mehrseitigen Pyramidendachs ein schmales Giebelfeld, welches den Chor als eigenständigen Bauteil kenntlich macht. Der Karlsruher Bauamtsvorstand verwendet bei seiner Forbacher Basilika mit den rundbogigen Fenstern und Turmöffnungen, Zwergarkaden an der Apsis und Rundbogenfriesen am Giebel zahlreiche Stilelemente der romanischen Baukunst. Frühgotischem Einfluss sind die Maßwerkrose der Hauptfassade, die Kreuzblumen der Portalrahmungen und Turmhelme, wie auch die Knospenkapitelle der Rundpfeiler der Turmportale und Querhausfassadenöffnungen zuzuschreiben. Er selbst bezeichnet den Bau als "strenge und reine Durchführung des abendländischen und speziell rheinischen Übergangsstiles XIII. Jahrhunderts". Dennoch ist die Erscheinung des Baus keineswegs mittelalterlich - und sollte es auch nicht sein. Bereits der Grundriss verrät mit seiner ungewöhn­lichen Form und den geringen Wandstärken die Zugehörigkeit zu einer anderen Zeit. Der äußere Aufbau und die Bearbeitung des Sichtmauerwerks grenzen die Kirche ebenfalls von den vermeint­lichen Vorbildern ab. Auch die schlanken, deutlich abgesetzten, oktogonalen Fassadentürme, das wenig ausgeprägte Querhaus und das Fehlen eines Vierungsturms lassen sich nicht mit romanischen Sakralbauten vereinbaren. Mit den Rundfenstern der Seitenschiffe und dem Relieftondo über dem mittleren der drei Hauptportale sind durchaus auch Formen der italienischen Gotik und Renais­sance nachweisbar. Typisch für das 19. Jahrhundert sind die nach städtebaulichen Kriterien gewählte, auf Fernwirkung berechnete Lage des Neubaus und die aufwändige, die Monumentalität stei­gernde Kirchenplatzgestaltung. Neu sind nicht die Stilelemente, die Williard verwendet, sondern die Art ihrer Anwendung, Kombination und Umdeutung.

Innenraum

Der InnenraumDer Innenraum
Der Innenraum

An das weite, kreuzrippengewölbte Mittelschiff schließen sich schmale, durch Arkaden auf gedrungenen Rundpfeilern mit hohen Postamenten abgeteilte Nebenräume - von Seitenschiffen kann hier kaum gesprochen werden - mit Okuli an. Die darüber liegenden Emporen öffnen sich über von gekuppelten Rundpfeilern getragenen Vierer­arkaden zum Innenraum, sie besitzen jedoch keine Fenster in der Außenwand. Tief heruntergezogene Ge­wölbegurte gliedern den Obergaden, der von einfachen Rundbogenöffnungen erhellt wird. Schlanke, auf den Kapitellen der Rundpfeiler des Mittelschiffs aufsetzende Dienste nehmen Gurte und Rippen des gebusten Kreuzgewölbes auf. Ein hoher, schräg gestellter Triumphbogen leitet in den eingezogenen, um mehrere Stufen erhöhten Chor über. Bogenstellungen öffnen sich über einem hohen Sockel zum Umgang, die darüber liegende Wand weist einen Kranz von rundbogigen, mit Dreipässen geschlosse­nen Fenstern auf. Den Abschluss bildet ein flachbogiges Schirmgewölbe. Wie der Außenbau kann - aus heutiger Sicht - auch das Innere der Basilika nur sehr bedingt als "romanisch" angesprochen werden. Zwar las­sen sich Rundbogenfenster, rundbogige Pfeilerarkaden, dreizoniger Wandaufbau mit Emporen und Kreuzrippengewölbe durchaus in der Romanik nachweisen, die Ausbildung dieser Elemente bei St. Johannes hat jedoch nichts mit mittelalterlichen Bauten gemein. Darüber hinaus finden sich auch hier Anklänge an die Gotik Deutschlands, Frank­reichs (Knospenkapitelle an Pfeilern und Diensten, angedeutete Kleeblattabschlüsse der Apsisfenster und Chorumgänge mit Kapellenkranz) und Italiens (Rundfenster der Seitenschiffe) und sogar an das Früh­christentum (Ziboriumsaltar). Der Haupt­unterschied zu mittelalterlichen Kirchen besteht allerdings in der völlig anderen Raumwirkung. Überraschend ist die extreme Zurücknahme der Seitenschiffe, die zu schmalen Gängen reduziert sind (zusammen überschreiten sie kaum ein Viertel der Gesamtbreite des Raums!). Dieser Eindruck wird durch die hohen Sockel der Mittelschiff­stützen noch verstärkt: So setzen die Basen der Pfeiler erst oberhalb des Gestühls an, wodurch sich der Besucher unter das Niveau des Hauptraums versetzt fühlt.

Durch stark gebuste Gewölbe rhythmisiert, scheinen die "Begleiter" des alles beherrschenden Mittelschiffs kaum mehr als statische Funktion für die Ableitung des Seitenschubs des Hochschiffgewölbes, welches als Kontrast des (vergleichsweise) hell erleuchteten Obergadens dient. Doch selbst hier werden die schräg einfallenden Strahlen bewusst gebündelt, um den Gesamteindruck nicht zu stören. Der Verzicht auf Gestühl in den baulich stark zurückgenom­menen Seitenschiffen und das mit einem relativ flachbogigen Gewölbe geschlossene, fast so breite wie hohe Hauptschiff verstär­ken noch die Tendenz zum Einheitsraum.

Auch die innere Eingangsseite ist in diesem Sinne konzi­piert. Hier erhebt sich eine mächtige, steinerne Empore mit vorge­zogenem Mittelteil, das rundbogige Hauptportal wird von eingetief­ten Rundbogenfeldern gerahmt, der Bogen über der Tür ist mit der Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria geschmückt. Dieses mittenbetonte Triumphbogenmotiv wird von einer Arkade über Rundpfeilern eingefasst, die Bezug auf den Zugang der äußeren Vor­halle nimmt. Unter den seitlichen, segmentbogigen Durchbrüchen standen ursprünglich baldachinüberfangene Beichtstühle, wie historische Aufnahmen aus der Zeit um 1915 erkennen lassen. Eingefasst wird die Bühne von einem hohen, schmalen Gurtbogen, der mit seiner Schrägstellung als abgeschwächte Wiederholung des Chorbogens gelten kann - erneut ein Zeichen des engen räumlichen Zusammenschlusses. Das um Chor und Hochschiff herumgeführte "Lichtband" findet seinen Abschluss (oder Auftakt) in dem großen, die Orgel hinterfangenden Rosenfenster.

Malerei und Ausstattung

Anbetung der Weisen - Ölbild über einer ArkadeAnbetung der Weisen - Ölbild über einer Arkade
Anbetung der Weisen - Ölbild über einer Arkade

Entsprechend seiner Bedeutung konzentriert sich der figürliche Schmuck auf den Bereich des Chores. Die Felder zwischen den Arkaden und den Sohlbänken der Apsisfenster werden 1902 mit biblischen Szenen bemalt: Anbetung der Weisen, Ölberg, Beweinung Christi, Auferstehung, Schlüsselübergabe, Sendung des Hl. Geistes; der Künstler ist Franz Joseph Simmler, der ein Atelier in Offenburg besitzt.

Zu Williards großem Bedauern werden die Bilder in Öl anstelle echter Freskentechnik ausgeführt. Im Scheitel des Chorbogens wird die Hl. Dreifaltigkeit, an den Seiten werden Herz-Jesu (links) und Herz-Mariae (rechts) dargestellt. Die Rippen des Mittelschiffgewölbes sind mit ornamentalen Bändern geschmückt, die Gewölbekappen der Nebenräume mit goldenen Sternen auf dunklem Grund.

Auf Empfehlung des Ordinariats sind die Darstellungen der Chorfenster, die Glasmaler Beiler aus Heidelberg ausführt, "nicht im Renaissancestil und realistisch, sondern in dem edeln, idealen Stil des Mittelalters" gehalten. Sie zeigen Christus, Petrus, Paulus und die vier lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Gregorius und Hierony­mus. In der Marienkapelle (links) sind Maria mit dem Kind, der hl. Joachim, die hl. Anna und der hl. Josef, im Wendelinschor (rechts), der heutigen Taufkapelle, der hl. Wendelin, der hl. Fran­ziskus von Assisi, die hl. Clara und der hl. Johannes Nepomuk zu sehen.

KreuzwegstationKreuzwegstation
Kreuzwegstation

Bei der Aus­führung der Kreuzweg­stationen als Fenster setzt sich Williard gegen den Willen der Vorgesetzten durch, die Wandgemälde vorgezogen hätten. Lediglich die siebte und achte Station werden als Gemälde ausgeführt. An­regungen für die Deko­ration bieten Audsleys „Dekorative Wandmalerei des Mittelalters" und Viollet-le-Ducs Buch über die Sainte-Chapelle in Paris. Die Muster des Wandteppichs werden mit bis zu sechs übereinander verwendeten Schablonen aufgetragen.  

Herz-Jesu-Darstellung - Ölbild am ChorbogenHerz-Jesu-Darstellung - Ölbild am Chorbogen
Herz-Jesu-Darstellung - Ölbild am Chorbogen

Zur liturgischen Ausstattung zählt neben dem bereits erwähnten Baldachinaltar, den Williard als die „monumentalste Altarform" ansieht, „welche die Kunstgeschichte aller christlichen Zeiten kennt", vor allem ein Kreuz mit dem Corpus Christi, das im Scheitel des Chorbogens aufge­hängt ist. Mit dem Hinweis darauf, dass der Zweck wichtiger sei als die architektoni­sche Wirkung, wird die heute verlorene Kanzel auf Anordnung des Ordi­nariates vor eine Säule gestellt und mit einem Schalldeckel versehen, um die Stimme des Pre­digers zu schonen. Wie bereits erwähnt, erfuhr das Innere der Kirche - wie unzählige andere in der Diözese - in den 60er Jahren des 20. Jahrhun­derts tief greifende, den Gesamteindruck zerstö­rende Veränderungen. Fotografien zeigen den Zu­stand mit den vermauer­ten Chorarkaden: gerade hier - ursprüng­lich glanzvoller Höhe­punkt des Innern - macht sich der Verlust der Gliederungen und des reichen Schmucks einschneidend bemerk­bar.

Herz-Mariae-Darstellung - Ölbild am ChorbogenHerz-Mariae-Darstellung - Ölbild am Chorbogen
Herz-Mariae-Darstellung - Ölbild am Chorbogen

Ohne die Arkaden­stellungen fehlen die enge Verbindung zum Langhaus und der Kon­trast zur Fensterreihe, ohne die Malerei wirken die Wände kahl und der Chorbogen geht in der vereinheitlichenden Tün­che geradezu unter (eben­so wie der gegenüberliegende Bogen der Eingangs­seite). Ohne den Baldachinaltar fehlt ein Ziel­punkt, den das schlichte Bronzekreuz nicht an­nähernd ersetzen kann. Wie dieses sind auch Zelebrationsaltar und Ambo im Stil der 60er Jahre aus­geführt, die Kanzel ist ent­fernt. Die wuchtige Orgel (von August Späth gebaut und 1965 geweiht) ver­deckt leider den unteren Teil der Fensterrose. Immerhin ist die Fensterverglasung der Basilika erhalten. Rund 30 Jahre später wurde der Ur­sprungszustand dann weit­gehend wiederhergestellt. Die Chorarkaden sind heute wieder geöffnet, die Reste der Innenausma­lung freigelegt und nach Originalbefunden und Fotos ergänzt. Die modernen Radleuchter sind an den Kronleuchtern des 19. Jahrhunderts orientiert. Eine Rekonstruktion nach historischen Fotos stellt der Baldachinaltar dar, das alte, noch vorhandene Kruzifix wurde wieder aufgehängt. Modern sind der schlichte Zelebrationsaltar, der Ambo und das Gestühl des Langhauses, die sich gut in den Raum einfügen.

Würdigung

Blick durch den Kirchenraum Richtung OrgelBlick durch den Kirchenraum Richtung Orgel
Blick durch den Kirchenraum Richtung Orgel

Während St. Johannes in Forbach heute in der Fachwelt kaum bekannt ist, erhielt die Basilika zu ihrer Ent­stehungszeit durchaus die ihr zustehende Würdigung. Sogar im Ausland wurde man auf den Bau aufmerksam, was ein zeitgenössischer Artikel in einer Londoner Fachzeitschrift, dessen Übersetzung in der Karlsruher Zeitung erschien, beweist: „Wir haben zahllose Kirchen in den meisten Staaten Europas gesehen, aber selten haben wir eine geschaut, die durch Schönheit des Ent­wurfs im Allgemeinen, Feinheit der Verhältnisse, Schönheit der Konstruktion bei so züchtiger dekorativer Wirkung in Farbe und Stimmung einen tieferen Eindruck machte, als diese reizende neue, römisch-katholische Kirche zu Forbach im Murgthal." Der Bau „gereicht dem Zeitalter zur Ehre, welches ihn hervorgebracht". Williard hat seine Idealvorstellungen bei seinem Forbacher Sakralbau, der als eines seiner Hauptwerke gelten kann, eindrucksvoll umgesetzt: die Anwendung fortschrittlicher Konstruktion und Technik, spar­samer Materialverbrauch, Weiträumigkeit, Logik und Schönheit sowie Monumentalität als „höchstes Ziel kirchlicher Baukunst". Dabei ist er mit seinen Vorbildern schöpferisch umgegangen, statt sie zu kopieren, und hat die Zweckmäßigkeit berücksichtigt, ohne sie der Ästhetik unterzuordnen. Aus heutiger Sicht erscheint er als Eklektizist im positiven Sinn, wobei er nur Detailformen histori­scher Baustile, nicht jedoch grundlegende Architekturprinzipien wie Raumauffassung oder Wandgestaltung übernommen hat. Tendenzen zum Einheitsraum, die gezielte Lichtregie und die dra­maturgische Hinführung zum Chor grenzen Forbach strikt von mittelalterlichen Bauten ab. So steht die schöne Chorlösung von St. Johannes in der Nachfolge französischer Umgangschöre mit Kapellenkranz, wobei der Architekt die Apsiden nicht als Neben­räume an den Umgang anfügt, sondern als nahezu eigenständige Baukörper direkt an das Sanktuarium heranschiebt und den Gang als Verbindung durch sie hindurchführt.

Blick in die MarienkapelleBlick in die Marienkapelle
Blick in die Marienkapelle

Im Gegensatz zu hoch­gotischen Vorbildern (z.B. Notre-Dame in Chartres), wo die hohen, durchfensterten Kapellen der Hinterfangung der schmalen Arkaden und so der Unterstützung des Vertikalismus des Chores dienen, tre­ten in Forbach die seitlichen Nebenräume vom Hauptschiff aus kaum in Erscheinung und die Scheitelkapelle wird durch den Hauptaltar völlig verdeckt. Auch die Umdeutung der Scheitelkapelle zur Sakristei - eine architektonisch höchst raffinierte Lösung - wäre im Mittelalter undenkbar gewesen und grenzt den Bau des 19. Jahrhunderts klar von seinen Vorläufern ab.

Blick in die TaufkapelleBlick in die Taufkapelle
Blick in die Taufkapelle

Grundriss und Außen­ansicht lassen außerdem eine andere Herleitung der Chorgestaltung zu - die vom Trikonchos (z.B. beim Florentiner Dom). Auch für den raffinierten Triumphbogen des Innern von St. Johannes könnte der badische Architekt hier Anregungen gefunden haben. Die Eleganz, mit der Adolf Williard seinen Chor an das Langhaus anschließt und die sogartige Wirkung, die er erzeugt, sind mit dieser mittelalterli­chen Raumlösung jedoch nicht zu vergleichen. Umso erfreulicher ist es, dass die tief greifenden Veränderungen der 60er Jahre in weiten Teilen rückgängig gemacht wurden. Mit dem Ergebnis der Maßnahmen dürfen Denkmalpfleger und Kunstbegeisterte sicher ebenso zufrieden sein wie die Gemeinde. Hätten die Verantwortlichen jedoch geahnt, in welch schlechtem Zustand sich die Originalausmalung unter der ergrauten Tünche befand, wäre die Entscheidung wohl gegen eine Wiederherstellung gefallen. Entgegen den optimistisch stimmenden Freilegungsproben waren nur die Bildszenen relativ gut erhalten, die ornamentale Bemalung der Langhauswände und Gewölbe musste dagegen aufwändig rekonstruiert werden. Gewissermaßen als Lohn der Mühe wurde St. Johannes in Forbach im Juni 1993 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung ins Denkmal­buch eingetragen.

So kritisch die Revision der Purifizierungswelle der 60er Jahre in der heutigen Zeit unter finanziellem und denkmalpflegerischem Aspekt (insbesondere bei der Rekonstruktion verlorener Ausmalungs- und Ausstattungsteile) gesehen werden muss - möge sich der Be­sucher an dem weitgehend originalgetreuen Eindruck der Forbacher Kirche erfreuen!

Simone Engleder

 

 
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