Gausbach, Filialkirche Seliger Bernhard von Baden

Geschichte

Im Lehensbuch des Bischofs Gerhard von Speyer (1336-1363), das die Besitzungen der Grafschaft Eberstein für Graf Heinrich II. aufzeichnete, wird um 1350 erstmals ein Dorf „Gaospach“ erwähnt. Der Name könnte vom altdeutschen Wort „Gouch/Gauch“ (= Kuckuck) kommen, aber auch von einem Hofbesitzer namens Gaus oder vom Gewann- und Bachnamen „Kauersbach“. Die Siedlung Gausbach soll ihren Anfang „auf dem Berg“ und im „Hohrein“ genommen haben.

Die um die gleiche Zeit gegründeten Orte Forbach und Bermersbach gehörten zusammen mit Gausbach schon um 1400 zum sogenannten „Kirchspiel Forbach“, einer kirchlichen Vereinigung mehrerer Orte unter einer Pfarrei. Ab dem 18. Jahrhundert bildeten diese drei Gemeinden als „Stab Forbach“ auch eine politische Gemeinschaft; „Stabhalter“ war der jeweilige Schultheiß von Forbach.

Aufgrund von Armut und Not wanderten Mitte des 19. Jahrhunderts 230 Gausbacher nach Amerika aus. Erst durch die verkehrsmäßige Erschließung des Murgtals und die Gründung von Industriebetrieben (vor allem Papier- und Pappefabriken) verbesserten sich die Lebensverhältnisse.

Baugeschichte

Sel. Bernhard
von Baden, Gausbach

Die Gausbacher erbaten 1804 beim fürstlichen Oberamt, eine Kapelle erbauen zu dürfen. Die Eingabe hatte ebenso wenig Erfolg wie eine zweite im Jahr 1820. Man fand sich damit ab, die Kirche in Forbach besuchen zu müssen, insbesondere als Bermersbach ab 1895 ein eigenes Gotteshaus hatte und die Forbacher Kirche alsdann Platz genug bot.

Seit 1918 besteht ein Kapellen-Baufonds aufgrund von Schenkungen und Einlagen. Bemühungen für einen Kirchenbau bis 1922 waren wiederum erfolglos.

1947 wurde ein großes Grundstück geschenkt zum Kirchenbau, wodurch der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wieder sehr bestärkt wurde. Ab 1953 wurde das Vorhaben im Einvernehmen mit Pfarrer Adolf Machleid, Bürgermeister Egidius Sriebich und mit dem Gemeinde- und Stiftungsrat Forbach-Gausbach vorangetrieben. Der Heiligenfond trat als Bauherr auf (er hat rd. 100 ha Wald auf Gausbacher Gemarkung) und die politische Gemeinde stiftete den Bauplatz und namhafte Zuschüsse. 1954 lag der erste Bauplan des Erzbischöflichen Bauamts Freiburg vor. Pfarrer Machleid segnete am Sonntag, 4. Juli 1954 den Bauplatz, am Sonntag 18. Juli war der erste Spatenstich und schon am 19. September 1954 war durch Dekan Friedrich Höfler, Baden-Oos, die Weihe des Grundsteines. Ein unvergesslich großes und freudiges Ereignis war die Weihe des fertigen Gotteshauses am 14. Oktober 1956 durch Bischof Augustin Olbert SVD (im Auftrag des Freiburger Erzbischofs Dr. Eugen Seiterich).

Von der erhöhten Lage am Berghang herab ist die Gausbacher Kirche ein deutliches Zeichen des christlichen Glaubens, ein Ruf zum Gebet und zur inneren Einkehr. Der Kirchenunterbau mit großem Saal und weiteren Räumen ergab sich durch die Steigung des Berghangs. Die weiträumigen Vorhallen und Treppenaufgänge sind ruhig gehalten, die Bleiverglasung absichtlich einfach.

Innenraum

Das Chorfenster mit der "Geheimen Offenbarung des Johannes"

Der Eintritt in den Kirchenraum wird sofort beherrscht durch den Blick auf das riesige Chorfenster und die wirksame Ausgestaltung des Chorraumes. Altar, Taufstein, Ambonen usw. sind aus dunklem Marmor. Das Kirchenschiff ist geräumig ausgebaut, aber einfach gehalten. Eine Reihe schlanker Säulen trägt die Holzdecke. An beiden Seitenwänden befindet sich ein farbiges Fensterband, das sich unter der Decke bis zum Chor nach vorne zieht. An der rechten Seitenwand ist der Kreuzweg mit Bildern von Tutilo Karcher, in denen die traditionellen Kreuzwegstationen durch Anklänge an die moderne Lebenswelt aktualisiert werden, zum Beispiel durch Sturzhelm und Motorrad-Dress eines jungen Mannes.   

Chorfenster:

Besonders sehenswert ist das große Chorfenster über dem Altar, das Szenen aus dem letzten Buch der Bibel, der „Offenbarung des Johannes“, darstellt.

Gott der Vater wird im Chorfenster
nicht bildlich dargestellt, sondern nur angedeutet durch ein lichtstrahlendes Dreieck über dem Haupt Christi. In der Mitte des Chorfensters erscheint Christus in menschlicher Gestalt. Gekleidet in ein
 leuchtend rotes Gewand sitzt er in erhabener Majestät auf dem Thron. Zu Füßen des Herrn erkennt man sieben Fackeln. Sie symbolisieren die Gaben des Heiligen Geistes. So bildet der dreifaltige Gott, der ewige Vater, der menschgewordene Sohn und der Heilige Geist, die Mitte des Chorfensters. Rings um den Thron sind vier Wesen voller Augen vorn und hinten. Sie gleichen einem Löwen, einem Stier, einem Menschen und einem Adler. Sie stehen sinnbildlich für die vier Evangelisten. Links und rechts von Christus sind acht der 24 Ältesten aus der Offenbarung dargestellt und die himmlischen Heerscharen der Engel angedeutet. Die Engel in der unteren Reihe des Fensters stellen die  Verbindung zur Erde und zu den Menschen dar. Ein Engel trägt zum Beispiel die Gebete der Menschen mit dem Rauchfass vor Gott hin. Weitere Erläuterungen finden sich im Gausbacher Kirchenführer.
 
Im zweiten Fensterfeld rechts erscheint als Reiter auf einem weißen Ross der Selige Bernhard von Baden. In der Offenbarung des Johannes ist der weiße Reiter eine namenlose Gestalt. An seine Stelle wurde hier bewusst der Kirchenpatron gesetzt, der das ihm geweihte Gotteshaus und damit die Gemeinde von Gausbach vor Gott hinträgt.

Tabernakel:

Dekoriert mit Bergkristallen und einer schönen Netzwerkverzierung zeigt der Tabernakel anbetende Engel und erinnert an die Gegenwart Gottes unter uns Menschen in der Gestalt des Brotes. 

Taufbrunnen:

Mit seiner Umschrift "Quelle des Lebens, Flut der Reinigung und Wasser der Wiedergeburt" symbolisiert die helfende, belebende und liebevolle Zuwendung Gottes am Anfang unseres Daseins, damit unser Leben gelingen kann, trotz aller Hindernisse auf unserem Weg.

Statue der Gottesmutter:

Die von der Bildhauerin Gudrun Schreiner aus Gaggenau geschaffene Bronzeplastik ist eine sogenannte "Assunta". Sie zeigt, wie Maria nach ihrem irdischen Leben in den Himmel aufgenommen wird. Die Statue der Gottesmutter blickt hinauf zum erhöhten Christus im Chorfenster.

 
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