Langenbrand, Pfarrkirche St. Valentin
Valentinskirche Langenbrand
Die dem heiligen Valentin geweihte Langenbrander Pfarrkirche kann auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück blicken. Heute gehört die rechtlich selbstständige Pfarrgemeinde zur Seelsorgeeinheit Forbach-Weisenbach. Die Geschichte der Christen im Dorf ist aber schon wesentlich älter und geht auf zwei ehemalige Gotteshäuser in Langenbrand zurück, in welchen sich die Gläubigen vor dem Bau der neuen Kirche zur Gottesdienstfeier getroffen haben.
Die alte Kirche
Zurückverfolgen lässt sich das kirchliche Leben der damals noch fast ausschließlich katholischen Bevölkerung von Langenbrand bis 1481. Damals wurde die Kirchengemeinde Weisenbach gegründet. Unter der Bezeichnung „Weisenbacher Kirchenspiel“ gehörten die Langenbrander zu dem dortigen kirchlichen Leben und reisten so regelmäßig zu Fuß in die Nachbargemeinde. In der Oberdorfstraße wurde 1745 das erste Gotteshaus geweiht, die Maria-Hilf-Kapelle. Doch nach fast 100 Jahren nagte der Zahn der Zeit an der Kapelle. Da sich eine Renovierung nicht lohnte wurde das Haus 1840 versteigert und bildet noch heute das Fundament eines Wohnhauses im Oberdorf.
Ein Jahr bevor die Kapelle verkauft wurde, hatte man 1839 mit dem Bau des zweiten Gotteshauses begonnen. Diesmal sollte es die erste Kirche werden, die bereits ein Jahr nach Baubeginn dem heiligen Valentin geweiht wurde. Da es aber noch immer kein eigener Pfarrer in Langenbrand gab, mussten sich die Gläubigen auch weiterhin auf den Weg nach Weisenbach machen. Nur an Festtagen wurde in der Valentins-Kirche eine eigene Messe gefeiert.
Mit dem Hinweis auf die aufblühende Industrie und dem darauf resultierende Anstieg der Bevölkerungszahl schrieb der Gemeinderat 1905 erstmals an die Freiburger Kirchenverwaltung mit der Bitte um einen eigenen Seelsorger. Freiburg kam dieser Bitte nur unter der Bedingung nach, dass der Ort ein Pfarrhaus stellt. Die bereits angebotene Wohnung im ebenfalls zu diesen Jahren erbauten Rathaus wurde nur als Zwischenlösung anerkannt. Es dauerte noch vier Jahre, bis Kurat Fröhlich als erster Pfarrer 1909 in Langenbrand Einzug hielt und drei Jahre später das neu erbaute Pfarrhaus bewohnte.
Bau der neuen Kirche
Schon bald wurde die Kirche zu klein, so dass im Jahr 1922 der Pfarrkurator Bischoff den Gemeinderat zum Bau einer neuen größeren Kirche aufforderte und zur Finanzierung auf den Wald der Gemeinde und der Kirche hinwies. Mitten in den Planungen brach dann aber die Weltwirtschaftskrise auch über Langenbrand ein, die erstmals zu einem Stopp des Vorhabens führte. Erst 1934 wurden die Pläne zum Kirchenbau wieder neu aufgenommen. Schon beim Bau zeigte sich, dass es eine Kirche der Dorfgemeinschaft werden sollte. Der ganze Aushub neben dem früher gebauten Pfarrhauses wurde von den ortsansässigen Männern ausgeführt, die sich dabei zum Teil durch festes Gestein arbeiten mussten. Erschüttert wurden die Arbeiten durch einen LKW-Unfall. Dieser mit schweren Steinen der Baustelle beladene Lastwagen kam von der Straße ab.
Im gleichen Jahr konnte dann der Grundstein gelegt werden. 1935 wurde bereits der Rohbau fertig gestellt und Richtfest gefeiert. Zum ersten Mal wurde im Folgejahr der Turm mit mehreren Glocken bestückt, die zu-vor in einem Gottesdienst geweiht wurden und dann an dicken Seilen durch das noch nicht eingesetzte Chorfenster außen am Turn hoch gezogen wurden.
Das neue Gotteshaus war nun fertig
und so zogen die Gläubigen ein einer großen Prozession am Valentinstag vor 70 Jahren (1937) von der alten Kirche im Unterdorf in ihr neues Domizil. Die alte Kirche wurde entweiht und wurde später als Festhalle genutzt, bevor sie nach dem Bau der neuen Festhalle in Privatbesitz (erst an den Sängers Tony Marshall und heute an einen Karlsruher Künstlers) überging.
„Dass die Bürger von Langenbrand zu der Zeit eine neue Kirche bauten und diese ausgerechnet dem heiligen Valentin, dem Patron der Liebenden, weihten konnte, während anderswo bereits die erste Konzentrationslager errichtet wurden, war sicherlich eher ein Zufall“, vermutete der Langenbrander Hobbyhistoriker Wolfram Klumpp auf der Internetseite der Gemeinde. Daher sei es auch nicht als bewusste Demonstration gegen den damaligen Zeitgeist zu werten. Allerdings sei dies doch bezeichnet für die Grundhal-tung der Dorfbevölkerung, die in jenen Tagen ihren Schwerpunkt noch ganz anders gesetzt hatte, als es die im Land immer mehr vorherrschende Staatsideologie vorschrieb. Verschont blieb Langenbrand aber vom zweiten Weltkrieg nicht. So wurden die erst 1935 geweihten Glocken wieder aus dem Turm geholt und zu Kriegsmaterial eingeschmol-zen. Bei einem Fliegerangriff, bei dem es in der Bevölkerung auch Tote und Schwerverletzte gegeben hatte, wurde das große Christ-Königfenster im Chorraum zerstört.
Der Aufbau der Kirche nach dem Krieg ist stark mit dem Ortsgeistlichen Moser verbunden, der bis 1969 in der Pfarrei wirkte und 1993 verstarb. Der Turm erhielt erneut Glocken, neue Fenster wurden eingesetzt, die bis dato eher unauffälligen Seitenaltäre wurden erweitert und ein Kreuzweg aus Holz wurde an die Kirchenwände angebracht.
Die nächste Umgestaltung der Kirche erfolgte nach dem zweiten Vatikanischen Konzil, bei dem die katholischen Bischöfe maßgebliche Veränderungen in der Liturgie vornahmen. Ab dato wurde die Messe auf Deutsch gelesen und die Priester kehrten während der Gottesdienstfeier den Gläubigen nicht mehr den Rücken mit Blick auf den Hochaltar zu, sondern feierten gemeinsam mit ihnen. Daher wurde der Altar im Chorraum der Valentinskirche umgestellt. Einen neuen Farbanstrich erhielt das Haus zur Primiz von dem aus Langenbrand stammenden Neupriester Benno Gerstner und in den 90er Jahren eine neue Kirchenorgel.



