Weisenbach, Pfarrkirche St. Wendelin

Baugeschichte der Pfarrkirche

Die Ursprünge der Weisenbacher Kirche liegen im Dunkeln. Man darf aber davon ausgehen, dass schon kurz nach der Besiedlung eine erste Wendelinuskapelle erbaut wurde - ein Hinweis darauf, dass die damaligen Einwohner hauptsächlich Viehzüchter und Bauern waren.

Die erste kleine Kapelle von Weisenbach gehörte noch zur Pfarrei Gernsbach, die sich 1248 von der Urpfarrei Rotenfels getrennt hatte. Die Schlosskapelle St. Elisabetha auf Eberstein wurde im Jahre 1404 von einem Schlosskaplan besetzt, der gleichzeitig die „Kapelle St. Wendel bey Weisenbach“ mitversehen musste.

St. Wendelin Weisenbach

Mit der Erhebung der Kapelle im Jahre 1481 zur provisorischen Pfarrkirche wurde Weisenbach nach Rotenfels und Gernsbach zu einem weiteren Zentrum christlichen Glaubens im Murgtal. Im gleichen Jahr bewilligte Bischof Ludwig von Speyer einen eigenen Kaplan für die Kapelle in Weisenbach. Nach großen Schwierigkeiten blieb St. Wendelin zu Weisenbach von Gernsbach getrennt und wurde 1487 selbständige Pfarrei. 1489 wurde sie mit den Filialgemeinden Au, Langenbrand und Reichental durch den Markgrafen Christoph bestätigt.

War Weisenbach seit der Gründung der Pfarrei St. Wendelin Mittelpunkt des ganzen Kirchenspiels, so änderte sich das 1578 mit einem Schlag. In diesem Jahr ernannte die Kondominatsherrschaft, unter dem Einfluss der Gräfin Katharina von Eberstein, den lutherischen Pfarrer Johannes Koch (genannt Magirus) aus Tübingen, zum Pfarrer von Weisenbach. Viereinhalb Jahrzehnte bildete nun die Weisenbacher Kirche einen Mittelpunkt für die evangelischen Gläubigen. Die links der Murg wohnenden Bürger mussten den Glauben von Eberstein übernehmen, d.h. evangelisch werden, die rechts der Murg wohnenden Bürger unterstanden weiterhin dem Bischof von Speyer und blieben katholisch, so dass Weisenbach bereits damals Bürger zweier Konfessionen beherbergte.

Dem evangelischen Pfarrer Johannes Koch (Magirus), der mehr als vier Jahrzehnte die Pfarrei betreute, verdankt das erzbischöfliche Pfarramt Weisenbach und die Gemeinde Weisenbach überhaupt dasältestes Dokument über seine Bürger; es ist das älteste Taufbuch der Gemeinde, heute noch das wertvollste Schriftstück des Pfarrarchivs in Weisenbach.

Die Wendelinuskapelle war von Anfang an zu klein für alle Gläubigen der vier Kirchenspielgemeinden. 1494 wurde ein neues Gotteshaus auf dem alten Platz errichtet. Von dieser Kirche ist bis heute der ehemalige Chor erhalten und bildet den Hauptteil der heutigen Wendelinuskapelle.

Im Jahre 1776 wurde mit einer Eingabe der erste Anstoß gemacht, entweder die Kapelle auf dem Berg zu vergrößern, oder aber einen Kirchenneubau „im Tal“ vorzunehmen. Da ein Platz für einen Kirchenneubau auf dem linken Murgufer nicht zu finden war, kam der Neubau auf der rechten Flussseite zu stehen. Die im Jahre 1779 erbaute hölzerne Kirche im Barockstil erlitt bei dem großen Brandunglück vom 28. Juni 1833 starke Brandschäden. Der Kirchenbrand und der Wiederaufbau der Pfarrkirche brachte den Plan zur Vergrößerung ins Rollen. Am 14. Dezember reichte der Stiftungsvorstand des Kirchenspiels Weisenbach die Bitte ein, beim Wiederaufbau der Pfarrkirche diese mit größeren Maßen bauen zu dürfen.

Nach vielen Diskussionen wurde im Jahre 1841 mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen. Eine neugotische dreischiffige Pfeilerbasilika mit Chor. Am 29. August fand die Grundsteinlegung statt. Nach nahezu vier Jahren  weihte am 23. September 1845 Erzbischof Hermann von Vicari die Pfarrkirche ein. Während der Bauzeit kam die „Urkirche“ auf dem Gottesacker noch einmal zu Ehren, denn in ihr wurden die Gottesdienste abgehalten. Große Verdienste um den Kirchenbau hat sich der einheimische Baumeister Johann Belzer erworben. Er tat viel Gutes für die Weisenbacher Kirchengemeinde und Weisenbach selbst. Er arbeitete sehr fleißig und preisgünstig. Sein Kunstwerk, der „Weisenbacher Dom“, hat Generationen überdauert und ihnen eine religiöse Heimstätte gegeben.

Auf das 400 jährige Pfarrjubiläum hin begann man 1883 die Kirche weiß zu tünchen. Bei der Renovation im Jahre 1923 wurden unter anderem die großen weißen Flächen durch die Gebrüder Hemberger zeitgemäß ausgemalt. Das Thema der Gemälde waren die Rosenkranzgeheimnisse. Die Gemälde waren sehr bunt und füllten den ganzen Raum der Obergaden aus. 

Im Jahre 1962 begann eine weitere gründliche Renovierung der Pfarrkirche. Die Bevölkerung beteiligte sich an diesen Arbeiten recht eifrig. Man fasste den Entschluss, die Empore um drei Meter zu senken. Somit wurde die neue Empore für die Sänger, die Akustik und die Raumgestaltung ein Gewinn. Zunächst war nur geplant, den wurmstichigen Hochaltaraufbau zu entfernen. Aber die Neugestaltung zog weitere Neuerungen mit sich. Die Altäre wurden durch die Karlsruher Steinwerke aus italienischem Marmor Fraye hergestellt. Die farbigen Fenster entwarf Edgar Seeger aus München. Das große Relief des Hochaltares schuf der Bildhauer Oscar Steidle. Ein besonderes Schmuckstück ist das Portal, entworfen von Mac Lean. Alte Statuen aus der ersten Kirche haben bei der Renovation wieder Einzug ins neugestaltete Gotteshaus gefunden.

Die letzte große Sanierung wurde vom Oktober 2004 bis Oktober 2005 durchgeführt. In der Zeitung war am 18. Oktober 2005 zu lesen: „Gleich zwei große Feste“ sagte Pfarrer Gerhard Dutzi zu Beginn des festlichen Gottesdienstes in der Kirche St. Wendelin, „können die Gläubigen heute feiern: Das Patrozinium ihres Schutzheiligen Wendelin und die Neuinbesitznahme des Gotteshauses. Nach einem Jahr dürfen wir Gott danken für die Vollendung dieses wundervollen Werks, das die Kirche nun in neuem Glanz erstrahlen lässt.“

 

Schutzpatron St. Wendelin

Der Patron, dem die Kirche geweiht  und unter dessen Schutz sie gestellt wurde, ist der Heilige Wendelin. Der heilige Wendelin ist der Patron der Hirten und Bauern. Er wird angerufen gegen Viehseuchen, für gedeihliche Witterung und gute Ernte. In der sakralen Kunst wird er dargestellt als Hirte, als Pilger mit Schafen und Schweinen. Sein Gedenktag ist der 20. Oktober, an dem traditionell das Kirchenpatrozinium mit Prozession stattfindet.

 
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